Wie viel Wasser braucht ein T-Shirt?

Wenn man in seinen Kleiderschrank sieht, so wird wahrscheinlich jede/r dort ein paar T-Shirts aus Baumwolle vorfinden. Die meisten unter uns denken nicht wirklich viel darüber nach, woher diese T-Shirts stammen und welche Schritte durchlaufen werden müssen, damit wir uns eines dieser T-Shirts überstreifen können. Auch der Gedanke an den Wasserverbrauch kommt den meisten nicht wirklich in den Sinn, wenn sie sich morgens anziehen.

Bei einem durchschnittlichen Waschgang werden zwischen 45 und 60 Liter Wasser verbraucht[1]. Klar, das ist nicht so wenig, aber wie verhält sich diese Zahl im Vergleich mit jener, die den gesamten Herstellungsprozess eines Baumwoll-T-Shirts umfasst?

Im Hinblick auf den Wasserverbrauch während des gesamten Herstellungsprozesses müssen zuallererst die Begriffe des virtuellen Wassers sowie des Wasser-Fußabdrucks erklärt werden:

Der Begriff virtuelles Wasser wurde erstmals Mitte der 90er-Jahre vom englischen Geografen John Allan verwendet und die Bezeichnung Wasser-Fußabdruck wurde 2002 von A.Y. Hoekstra in Anlehnung an den Ökologischen Fußabdruck vorgestellt. Der Wasser-Fußabdruck bezieht sich auf die gesamte Wassermenge, die von den Einwohnern eines Landes durch den Konsum von Produkten und Dienstleistungen konsumiert wird. Aufgeteilt wird der Konsum in den internen und den externen Wasser-Fußabdruck. Virtuelles Wasser ist Teil des externen Wasser-Fußabdrucks, d.h. alles Wasser, das durch den eigenen Konsum eines Landes importiert wird. Der interne Wasser-Fußabdruck bezieht sich auf die Nutzung der heimischen Wasservorkommen für die Produktion von Gütern im Inland.

Da Baumwolle in unseren Breitengraden nicht sonderlich gut gedeiht, wird sie in anderen Ländern angebaut und durch globale Arbeitsteilung auch in anderen Ländern verarbeitet. Bei der Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts sind also verschiedene Quellen an virtuellem Wasser beteiligt. Alles, was tatsächlich bei der Herstellung eines T-Shirts an Wasser verbraucht wird, fließt in diese Rechnung mit ein. Im Falle der Baumwollproduktion umfasst dies sowohl die Bewässerung der Felder, die Reinigung der Baumwolle sowie die anschließende Veredelung der Stoffe. Auf diese Art und Weise werden für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts mit 250 Gramm durchschnittlich 2.495 Liter Wasser verwendet. Um dies in Relation zu setzen: In eine Badewanne passen 150 bis 180 Liter Wasser. Die Zahl für eine Jeans mit 800 Gramm ist mit 8.000 Litern Wasser gleich um ein Vielfaches höher. Pro Kilo Baumwollfaser kann also mit 10.000 Litern virtuellem Wasser gerechnet werden[2].

Infografik_Wasserverbrauch

Beim Anblick dieser Zahlen muss man jedoch hervorheben, dass es sich hierbei um weltweite Durchschnittswerte handelt und dass sich diese je nach Region massiv unterscheiden können. So werden pro Kilogramm Baumwolle in China nur 6.000 Liter Wasser verbraucht, wobei in Usbekistan pro Kilo 9.200 Liter und in Indien 22.500 Liter verbraucht werden[2]. Diese regionalen Unterschiede können zu verheerenden Folgen führen. So zum Beispiel in Zentralasien, wo es aufgrund der exzessiven Entnahme von Wasser aus dem Aralsee beinahe zu dessen Austrocknung gekommen wäre.

Diese Punkte zeigen uns, dass die Herstellung unseres einfachen Baumwoll-T-Shirts wesentlich weitere Wellen schlägt, als man denkt. Aus diesem Grund sollte man nachhaltig agieren und sich bewusst werden, wie viele Ressourcen in allem stecken, was uns umgibt.

Quellen und nützliche Links:

[1]Forum Hausgeräte. (08.09.2010). „Vom sorgsamen Umgang mit Wasser“. [Online] https://www.bewusst-haushalten.at/fakten/waschen-trocknen/wie-viel-strom-verbraucht-eine-waschmaschine/wie-viel-wasser-verbraucht-eine-waschmaschine/ [04.04.2017].

[2]Water Footprint Network. (o.A.). „Cotton“. [Online]
http://waterfootprint.org/en/resources/interactive-tools/product-gallery/ [04.04.2017].

Hackenauer, Wolfgang. (08.09.2010). „Water Footprint“. [Online] http://www.qualityaustria.com/index.php?id=2602 [04.04.2017].

Universum Kommunikation und Medien AG. (12.2011). „Virtuelles Wasser in der Textilindustrie“. [Online] http://www.jugend-und-bildung.de/files/860/AB_Stoffwechsel_virtuelles_wasser.pdf [04.04.2017].

Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. (o.A.). „Der Wasserfußabdruck“. [Online] http://virtuelles-wasser.de/wasserfussabdruck.html [04.04.2017].

Zittlau, Jörg. (19.03.2010). „2000 Liter Wasser für ein T-Shirt“. [Online] https://www.welt.de/welt_print/wissen/article6839727/2000-Liter-Wasser-fuer-ein-T-Shirt.html [04.04.2017].

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