Ein Blick hinter die Kulissen von „Apflbutzn“

Wir hatten dieses Semster die Gelegenheit das Grazer Unternehmen Apflbutzn besser kennenzulernen und praktische Erfahrungen beim Bedrucken des Global Studies T-Shirts zu sammeln. Um auch euch einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren, haben wir mit Resi und Thomas, dem Team hinter Apflbutzn, über ihre Firma gesprochen und das Video dazu gibt es hier:

 

 


Verwendete Musik:

PACIFIC SUN by Nicolai Heidlas Music https://soundcloud.com/nicolai-heidlas
Creative Commons – Attribution 3.0 Unported (CC BY 3.0)
https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/
Music provided by Audio Library https://youtu.be/kbqmEJTr3nU

Carla – die Second Hand-Shops der Caritas

Im Rahmen unseres Praktikums durften wir aus der Gruppe Nachkauf die Carla Shops auch ganz aktiv kennenlernen. Eine durchaus bereichernde Erfahrung und zwar nicht nur für unsere Kleiderschränke, da sich das ein oder andere Schnäppchen nur schwer vermeiden lies und sich viele Gelegenheiten hierfür fanden. Bei bis zu 25h Arbeiten in der Sortierung war es auch möglich in den anderen Abteilungen mitzuhelfen.

Carla steht für Caritas Laden, diese sind zwar Teil der Caritas, werden aber nicht aus Spendengeldern finanziert. Stattdessen erwirtschaften die zahlreichen Carlas durch die Verwertung von Sachspenden selbst einen Überschuss und leisten so auch finanziell einen wertvollen Beitrag für andere Hilfsprojekte der Caritas. Die Caritas betreibt seit 30 Jahren Second Hand Geschäfte und vor kurzem wurde der 30. steirische Carla Laden in Bruck a.d. Mur eröffnet.

Abseits eines vielfältigen Waren- und Dienstleistungsangebots bieten die Läden auch einen sozialen und ökologischen Mehrwert. In den Läden und der Sortierung werden Transitarbeitskräften und langzeitarbeitslosen Menschen zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeit geboten. Dies geschieht in Form von befristeten Dienstverhältnissen im Umfang von 3-9 Monaten, um diesen Personen anschließend einen leichteren Einstieg in den Arbeit zu ermöglichen. Auch in ökologischer Hinsicht leisten die Läden einen wertvollen Beitrag, vor allem zu den 3R’s: Reduce, Reuse und Recycle. Durch die Verwertung alter Produkte können sich nicht nur andere Leute über günstige Produkte freuen, sondern es wird auch die Umwelt geschont.

Kleiderspenden können direkt in den Shops oder über die Containersammelstellen der Carla-Läden vorgenommen werden. Für Möbel und ähnliches gibt es wiederum andere Abgabemöglichkeiten (z.B. Abholung). Anschließend werde alle Sachspenden einer genauen Überprüfung und danach den geeigneten Verwertungsmöglichkeiten zugeführt. Nicht nur Kleidungsstücke und Möbel werden sorgfältig überprüft, sondern auch Elektrogeräte, welche dann auch mit einer Garantie ausgestattet im Shop verkauft werden. Es gibt auch eine eigene Tischlerei wo Shopeinrichtungen für die Carla-Läden hergestellt und Möbel repariert werden.

Die Verkaufspreise werden ca. mit 1/4- 1/3 des Neupreises festgelegt. Sortierung und Verkauf erfolgen vor Ort, wodurch auch die Wertschöpfung in der Region bleibt. Carla deckt ca. 10% der Kleidersammelcontainerquote. Die sortierte Ware wird auch nach unterschiedlichen Qualitätsstufen sortiert. Die besten und schönsten Stücke landen in den Carla-Läden, andere werden an den Großhandel weiterverkauft. Diese werden zum größten Teil an Kleinkunden nach Bosnien, Kroatien und teilweise Serbien weiterverkauft, welche auch Second Hand Shops betreiben.

Das Besondere am Carla Netzwerk ist, dass wirklich für fast alles eine mögliche Verwertung gefunden wird, so z.B. auch für einzelne Schuhe oder nicht mehr verwendbare Kleidung.

Mehr Infos und alle Standorte lassen sich hier finden:
http://www.carla.at/

SEKEM Ein Positivbeispiel für faire Textilproduktion

50 Kilometer von der Baumwolle bis zum fertigen Textilprodukt

Beitrag verfasst von Agnes Haidacher

Wo früher einmal Wüste war, sind jetzt zahlreiche Hektar fruchtbares Land: Grüne Felder mit Kräutern, Gemüse, eine Schule, eine Textilfabrik und Produktionshallen für die Herstellung von biologischen Lebensmitteln und pharmazeutischen Heilprodukten. Wir befinden uns in Ägypten, genauer gesagt nahe der Kleinstadt Bilbeis, etwa 60 Kilometer nordöstlich von Kairo, auf dem Gelände der Entwicklungsinitiative SEKEM. Auf Einladung des Vereins SEKEM Österreich kann ich diese Initiative vor Ort besuchen und mir ein Bild davon machen. Dass diese Reise auch relevant für mein Global Studies Studium sein würde, wird mir bereits nach kurzer Zeit bewusst.

Abbildung: Google Maps

Aber was hat eine Initiative in Ägypten eigentlich mit unserem „globalen T-Shirt“ zu tun? Diese Frage lässt sich klar beantworten: Hier werden von NatureTex, einer Tochterfirma des Vereins SEKEM, Textilprodukte hergestellt, die nach Europa und in die USA exportiert werden. Wir sind also auf den direkten Spuren von fairer und ökologischer Mode.

Was ist SEKEM?

Beginnen wir ganz am Anfang der Geschichte. Im Jahr 1965 zog ein 19-jähriger Ägypter namens Ibrahim Abuleish nach Graz, um dort Chemie und Medizin zu studieren. Als er 1977 nach Ägypten zurückkehrte, beschloss er, seinen Traum eines nachhaltigen, ökologischen und ethischen Wirtschaftsansatzes zu verwirklichen und gründete die SEKEM-Initiative. Ibrahim Abuleish kaufte Wüstenland, begann mit seinem Team den Wüstenboden fruchtbar zu machen und baute in weiterer Folge Gemüse, Kräuter und Baumwolle an. Die Idee hinter dem Ganzen war, Problemen des Landes wie Armut und Umweltverschmutzung durch eine Initiative, bei der die ArbeiterInnen fair behandelt und die Natur geachtet werden, entgegenzutreten.

Ergebnisse dieser Initiative sind neben zahlreichen Projekten im Bereich Nachhaltigkeit und Diversität und Gleichberechtigung, die Tochterfirmen ATOS (pharmazeutische Produkte), LIBRA (biologisch-dynamischer Anbau von Nutzpflanzen), ISIS Organic (biologische Lebensmittel) und NatureTex, ein Unternehmen, das ökologische Textilien produziert.

NatureTex

Obwohl es über alle diese Firmen viel Spannendes zu berichten gäbe, steht in diesem Blogbeitrag die Textilfirma NatureTex im Mittelpunkt, da sie schließlich Produkte aus sozial fairen und nachhaltigen Verhältnissen zu uns nach Europa liefert.

Nachhaltigkeit plus soziale ökologische Standards, angefangen von der Baumwolle bis zum Endprodukt: Ist das überhaupt möglich? Bei einer persönlichen Führung durch die Produktionsstätte von NaturTex werden mir alle Arbeitsschritte- und Vorgänge erkärt, die ArbeiterInnen persönlich vorgestellt und sämtliche Fragen beantwortet. Hier sollen die entscheidenden Facts über NatureTex, so kompakt wie möglich dargestellt werden:

Die Baumwolle

• Alle Textilprodukte sind zu 100 % aus zertifizierter Bio-Baumwolle.
• NatureTex bezieht die Baumwolle von zertifizierten Bio-Baumwollbauern aus Ägypten.
• Die Baumwollfasern werden ökologisch entkernt, versponnen, weiterverarbeitet und gefärbt, alles in Spinnereien und Webereien in einem Umkreis von 50 Kilometern.

Arbeitsbedingungen

• bei NatureTex sind 250 Leute angestellt, 50 % Männer und 50 % Frauen.
• Das Einkommen der ArbeiterInnen liegt über dem ägyptischen Mindestlohn.
• Die Produkte von NatureTex sind GOTS (Global Organic Textile Standards) zertifiziert.
• NatureTex bietet Weiterbildungen, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung sowie eine SEKEM-Schule direkt am Gelände, die die Kinder der NäherInnen besuchen können. Dies dient auch speziell zur Förderung der Frauen am Arbeitsmarkt.

Verkauf

• 95 % der Produkte werden in die USA und nach Euopa exportiert.
• ab 1. September 2017 soll der Versuch gestartet werden, die Textilien auch am lokalen Markt zu vertreiben.

Das SEKEM-Gelände Foto: Agnes Haidacher
Führung durch die NatureTex Produktionsstätte Fotos: Agnes Haidacher

Vertrieb der SEKEM-Produkte

Kennt man all die negativen Aspekte der konventionellen Textilindustrie, ist es umso erfreulicher, ein Textilunternehmen kennenzulernen, das die Natur achtet und gleichzeitig seinen ArbeiterInnen faire und ethische Arbeitsbedingungen bietet. Nun stellt sich nur noch die Frage: Wo kann man diese Produkte in Österreich kaufen?

Während in den USA die NatureTex-Produkte unter dem Namen „Under the Nile“ über diverse Online-Shops erhältlich sind, und in Deutschland die Textilien unter anderem bei DM verkauft werden, muss man in Österreich schon etwas genauer suchen. SEKEM hat auf seiner Homepage eine Liste mit allen Unternehmen, die SEKEM-Produkte (das umfasst auch Produkte der anderen Firmen wie ISIS oder ATOS) im Sortiment führen, zur Verfügung gestellt.

Wer also Lust hat, faire und ökologische Produkte hier in Österreich zu kaufen, kann sich an dieser Liste orientieren und die „Vitalität der Sonne“, so die Bedeutung des Wortes Sekem, voll auskosten.
Weiter Infos über SEKEM und NatureTex findest du unter:
http://www.sekem.com/de/sekem-unternehmen/
http://www.sekem.com/en/index/
http://www.sekemoesterreich.at

„Zerum“ – Fair Fashion made in Austria

Zerum produziert Mode unter fairen und nachhaltigen Bedingungen. Wir haben mit Geschäftsführer Sigmund Benzinger über sein Unternehmen gesprochen.

 

 


Verwendete Musik:

„Write Hear Right Now“ by P C III http://freemusicarchive.org/music/P_C_III
Used under Creative Commons – Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Gütesiegel und Zertifikate Teil 3: Fair Trade Textilstandard

1997 wurde Fairtrade International als Nichtregierungsorganisation (NGO) in Bonn gegründet. Dabei schlossen sich verschiedene internationale Gütesiegel-Initiativen, u.a. Fairtrade Österreich, zu einer Dachorganisation zusammen. Im Fokus von Fairtrade steht, wie der Name schon verrät, ein gerechter, internationaler Handel zwischen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ländern des globalen Südens und Ländern des globalen Nordens. So beschreibt Fairtrade: „Die Vision von Fairtrade ist eine Welt, in der alle Kleinbauerfamilien und Beschäftigten auf Plantagen in sogenannten Entwicklungsländern ein sicheres und gutes Leben führen, ihr Potenzial ausschöpfen und über ihre Zukunft selbst bestimmen können.“ Die Hauptaufgaben von Fairtrade International liegen unter anderem in der Entwicklung von Fairtrade-Standards, welche nach den drei Säulen der Nachhaltigkeit aufgebaut sind: Soziales, Ökologie und Wirtschaft. Die sozialen Standards umfassen die Stärkung der Kleinbäuerinnen/ Kleinbauern und Arbeiterinnen/ Arbeiter durch:

  • Organisation in demokratischen Gemeinschaften (Kooperativen)
  • Förderung gewerkschaftlicher Organisation (auf Plantagen)
  • Geregelte Arbeitsbedingungen
  • Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit
  • Diskriminierungsverbot

Das Fairtrade Gütesiegel ist wahrscheinlich vor allem für seine Zertifizierung für Kaffee, Kakao und Bananen bekannt. Aber Fairtrade arbeitet nicht nur im Bereich von Lebensmittel, sondern auch im Textilsektor. Dabei ist vor allem das Fairtrade Certified Cotton Gütesiegel zu erwähnen, wodurch fair gehandelte Baumwolle garantiert wird. Gentechnik, Pestizide, Mineraldünger und Kinderarbeit werden ausgeschlossen. Der für die lokalen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern so wichtige Mindestpreis wird bezahlt und eine Sozialprämie wird garantiert. Wie bereits erwähnt werden aber auch die sozialen Aspekte der Textilproduktion berücksichtigt, zum Beispiel werden vor allem Sozialprojekte unterstützt. Im Hinblick auf wirtschaftliche Zusammenarbeit wird darauf geachtet, dass langfristige Geschäftsbeziehungen aufgebaut werden. Einer der größten Kritikpunkte an internationale Textilunternehmen liegt in der fehlenden Transparenz ihrer Produktion. Fairtrade versucht gezielt, den Produktionsprozess in den Arbeitsstätten vor Ort transparent zu machen, indem Informationen und Ergebnisse von Kontrollen öffentlich zur Verfügung gestellt werden.

Soziale Mindeststandards wie das Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder Diskriminierung am Arbeitsplatz werden in der konventionellen (Textil-) Produktion oft mit Füßen getreten und darüber hinaus verfügen die Arbeiterinnen und Arbeiter sehr oft über keine Arbeits- und Krankenversicherung, verdienen Hungerslöhne und haben keine geregelten Arbeitszeiten (Arbeitstage von 12-14h sind in vielen Produktionsstätten die traurige Norm). Das Fairtrade-Gütesiegel garantiert die Einhaltung sozialer Mindeststandards der International Labour Organization. Diese Mindeststandards werden durch die unabhängige Zertifizierungsorganisation FLO-Cert kontrolliert.

Kritik an Fairtrade
Das Gütesiegel Fairtrade ist in den letzten Jahren immer stärker in Kritik geraten. Zwar sind die Umsätze an Fairtrade bzw. fair gehandelten Waren kontinuierlich gestiegen (2015 wurde in Deutschland mit fairen Produkten ein Umsatz von 1,139 Milliarden Euro gemacht), allerdings versteckt sich hier auch einer der größten Kritikpunkte: der Begriff fair trade ist rechtlich nicht geschützt. Darin liegt einer der Gründe für das faire Gütesiegelchaos, da sich viele verschiedene Siegel als fair bezeichnen, aber nicht immer auch tatsächlich fair gehandelte Waren dahinter stecken. So garantiert z.B. auch das UTZ Certified Siegel (oft zu sehen auf Produkten heimischer Diskonter) Nachhaltigkeit, schreibt aber keine Mindestmengen an fairen Produkten für den Erhalt des Labels vor. Bei Fairtrade müssen nur 20% an fair gehandelten Waren enthalten sein, bei GEPA+, ein weiteres Fair-Trade Label, müssen mindestens 50% faire Rohstoffe in den Produkten enthalten sein, es gilt somit als eines der strengsten Gütesiegel. Neben Gepa+ und UTZ Certified, gibt es noch viele weitere Fair-Trade-Gütesiegel: Naturland Fair, Ecocert, Oneworld, World Fair Trade Organization, Fairglobe, Hand in Hand Organic Rapunzel Fairtrade Zwar sind unter diesen Siegeln viele auch vertrauenswert und seriös (so z.B. Fairtrade, Naturland, Rapunzel und Gepa+), dennoch appelliert die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für standardisierte gesetzliche Regelungen und ein einheitliches Siegel, um eine verlässliche Kennzeichnung schaffen zu können.
Ein weiterer Kritikpunkt an Fairtrade ist der Mengenausgleich. Dabei handelt es sich um die Tatsache, dass Fairtrade-Ressourcen mit nicht-Fairtrade-Rohstoffen gemischt werden. Ein Teil der Gesamtware wird dann als Fairtrade-Ware ausgezeichnet, auch wenn es sein kann, dass in den Endprodukten (hier zwar vor allem Lebensmittel wie Fruchtsäfte, Zucker und Kakao) aufgrund der Mischung mit konventionellen Ressourcen, kaum Fairtrade-Produkte enthalten sind.
Als dritter Kritikpunkt sind die Kosten der Lizenzen zur Garantie von sozialen und ökologischen Standards anzuführen, die es KleinbäuerInnen oder Unternehmen kostet, ihre Produkte auch als solche verkaufen zu können.

Gütesiegel zeigen, dass die konventionelle Produktion viele globale Probleme mit sich bringt und wollen genau diese Probleme mit Transparenz und garantierter sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit bekämpfen. Deshalb sollten sie auch tatsächlich dafür einstehen und nicht aus „falschen“-marktgesteuerten Motivationen für Inhalte werben, die am Ende nicht eingehalten werden können. Fairtrade gilt als eine der größten Gütesiegel bzw. Organisationen. Wie so oft, gilt auch hier: je größere ein Unternehmen bzw. eine Organisation, desto komplexer das dahinterstehende System. Konsumentinnen und Konsumenten sollten Gütesiegel nicht blind vertrauen, sondern auch immer die Verpackungsrückseite lesen – da sich hier sehr oft die versprochenen Ergebnisse nicht wiederfinden.
Und zu allerletzt soll sich immer noch die Frage gestellt werden: ist dieses zehnte Paar Jeans, Avocados aus Mexiko und Kokosöl aus Indonesien denn überhaupt notwendig?

Aller Kritik zu trotz, gilt Fairtrade als eines der wichtigsten Gütesiegel. Das Unternehmen genießt viel Vertrauen und so kann man hoffen, dass an den Schwachstellen gearbeitet wird um tatsächlich als 100% faires Gütesiegel einstehen zu können. Im Bekleidungssektor haben sich vor allem das GOTS-Gütesiegel (Fokus auf ökologische Aspekte) und die Fair Wear Foundation (Fokus auf soziale Aspekte) zu aussagekräftigen Gütesiegel etabliert, da hier vor allem auf die gesamte Güterkette der Textilproduktion geachtet wird. Das Fairtrade Gütesiegel verfolgt vor allem den Weg bis zur Ernte der Baumwolle und nicht die Weiterverarbeitung.
Eine Kombi aus GOTS und FWF ist gerade das beste was man an Öko-fairer Mode zurzeit bekommen kann. Mit diesen drei Siegeln kann bei der nächsten (fairen) Shopping Tour sicher nichts falsch gemacht werden 🙂

Quellen:
Ethical Fashion Guide: http://www.cleanclothes.at/media/common/uploads/download/ethical-fashion-guide/EFG_final_1705.pdf [05.06.2017].
Ethical Fashion Guide: http://www.cleanclothes.at/media/common/uploads/download/ethical-fashion-guide/EFG_final_1705.pdf [05.06.2017].
Fair Wear Foundation: https://www.fairwear.org/ [05.06.2017].
Utopia: Fair Wear Foundation – faire Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion: https://utopia.de/siegel/fair-wear-foundation/ [05.06.2017].
Homepage GOTS: http://www.global-standard.org/de/the-standard/general-description.html [02.06.2017]
Ethical Fashion Guide: http://www.cleanclothes.at/media/common/uploads/download/ethical-fashion-guide/EFG_final_1705.pdf [02.06.2017]
UTOPIA: https://utopia.de/bestenlisten/modelabels-faire-mode/ [02.06.2017]
Armed Angels Onlineshop: https://www.armedangels.de/gots/ [02.06.2017]
Fairtrade Österreich (o.D.): Fairtrade International. Faire Standards und gerechter Handel weltweit, [online] https://www.fairtrade.at/was-ist-fairtrade/fairtrade-system/fairtrade-international.html
[01.06.2017].
Fairtrade Österreich (o.D.): Fairtrade-Siegel, [online] https://www.fairtrade.at/was-ist-fairtrade/fairtrade-siegel.html [05.06.2017].
Handelsdaten (o.D.): Fairer Handel in Deutschland, [online] https://www.handelsdaten.de/handelsthemen/fairer-handel [02.06.2017].
Marktcheck (2016): Fair-Trade-Siegel: Wirklich alles fair gehandelt?

Aus alt mach „neu“ oder was anderes…

Was kann man/frau nun tun, wenn das T-Shirt wirklich nicht mehr zu retten ist? Im Rahmen eines „Bastel- und Nähnachmittages“ haben wir uns auf die Suche nach der Antwort gemacht.

Als praktischste Lösung schienen uns T-Shirt Taschen. Ganz einfach und schnell mit der Nähmaschine zusammengenäht (geht natürlich auch per Hand). Praktisch für jeden Einkauf, als Strandtasche usw. und leicht mitzunehmen. Auf jeden Fall besser als die angebotenen Plastiksackerln nach diversen Einkäufen – nur nicht zu Hause vergessen. 😉

Damit ihr auch die Möglichkeit habt zu so einer Tasche zu kommen, werden u.a. insgesamt 20 Stück beim Gewinnspiel auf dem Fair Fashion Festl verlost!

Eine weitere Möglichkeit ist es aus dem z.B. T-Shirt ein T-Shirt Garn zu machen, das wiederum vielfältig verwendet werden kann.

Aus diesem kann z.B. ein Platzset gewoben werden (dafür braucht man nicht mal einen Webstuhl)

Oder da Selbstmachen ja wieder im Trend ist – das eine oder andere Häkeln?

Halsketten aus T-Shirts lassen sich ebenfalls einfach herstellen.

Auch Baby-/Kleinkindbekleidung und Pölster lassen sich schneidern, oder warum nicht Wattepads ersetzen?

Oder aus den Ärmeln noch schnell ein Monster machen?

Die Möglichkeiten sind vielfältig, seht euch einfach etwas im Internet um, wenn ihr Lust bekommen habt.

Anleitungen:
T-Shirt Garn: http://bit.ly/2ryy37r
Korb häkeln: https://www.youtube.com/watch?v=xkApob_wt8w
Halsketten aus T-Shirts: https://www.youtube.com/watch?v=6ugMNqksZWo

Ein „Lieblingsplatz“ in Graz


Im Lieblingsplatz in der Grazer Sporgasse wird fair produzierte, nachhaltige Kleidung verkauft. Wir haben mit Sabine Tiefenbrunner, Inhaberin des Geschäftes, über ihr Unternehmen und ihre Gedanken zur Modeindustrie gesprochen.

 


Verwendete Musik:

„Kwartet Japonski I“ by Maciej Zolnowski http://freemusicarchive.org/music/Maciej_onowski/
Used under Creative Commons – Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Gütesiegel und Zertifikate Teil 2: GOTS – Global Organic Textile Standard

Das GOTS wurde 2006 eingeführt und ist derzeit das umfassendste Gütesiegel in der Bekleidungsindustrie. Beim GOTS werden alle Produktionsschritte abgedeckt: von der Produktion, über Stoff, Konfektion bis hin zu ökologischen und sozialen Belangen.

Weiterlesen „Gütesiegel und Zertifikate Teil 2: GOTS – Global Organic Textile Standard“

Gebrauchte T-Shirts und Afrika (2)

Was passiert hier in Europa, in Österreich?

Über die genaue Menge an alten Kleidern, die jährlich in Österreich anfällt, kann man nur spekulieren, Schätzungen gehen aber von 80.000 Tonnen pro Jahr aus. Ein großer Teil der Kleidung wird in Kleidercontainern entsorgt, die Sammelboxen stehen an allen Straßenecken zur Verfügung. Nur zwei Fünftel sind als Gebrauchtkleidung verwendbar, gut zwei weitere Fünftel noch für die Putzlappenherstellung oder als Rohstoff. Der Rest ist Abfall. Ein großer Teil dieser Kleidungsstücke wird aussortiert, wenn er nicht mehr gefällt, hat dann aber noch einen erheblichen Teil seiner Lebenszeit vor sich.

Wenn diese Kleiderbündel in Afrika ankommen, sind sie von einer Spende längst zur Ware geworden. Gebrauchte Sachen decken in Afrika bis zu 80 Prozent des Bekleidungsbedarfs. In den meisten afrikanischen Staaten werden kaum noch Stoffe gefertigt und auch Bekleidungsfabriken gibt es nur wenige. Und der Altkleiderimport verschafft, bei all seinen Problemen, vielen in Afrika die Chance Geld zu verdienen und sich besser zu kleiden.

Eine Reihe afrikanischer Staaten hat den Import von Altkleidern verboten oder massiv eingeschränkt, darunter lukrative Märkte wie Südafrika, Nigeria und Äthiopien. Um diese Importbeschränkungen zu umgehen, hat sich ein umfangreicher Schmuggel entwickelt.
Benin ist beispielsweise bereits seit zwei Jahrzehnten ein Hauptumschlagplatz für Altkleider, die als Schmuggelware nach Nigeria gehen. Eine andere Reihe von Staaten hat relativ hohe Zölle auf den Import von Altkleidern festgelegt, die anscheinend in einigen Fällen über Korruption in Häfen oder Schmuggel durch Nachbarstaaten umgangen werden.

Große Probleme mit dem Gebrauchthandel gibt es dort, wo, wie z.B. in Tansania oder im Kongo, kleine Gruppen den Import kontrollieren (restriktive Importbestimmungen, GroßhändlerInnen, die von außen den Preis bestimmen) und die damit den Markt diktieren und enorme Gewinne machen.
Kleinere Probleme gibt es in Westafrika (Kamerun, Ghana, Kenia) – relativ viele Angehörige leben in Westeuropa und USA und schicken Kleidung an Verwandte – dies hat zu einem Überangebot geführt.

Hauptgrund ist die geringe Kaufkraft. Es gibt kein ausreichendes und erschwingliches Bekleidungsangebot aus lokaler Produktion. Die auf den Märkten angebotene Neuware kommt überwiegend aus China, ist aber oft von minderer Qualität. Secondhand-Kleidung ist daher weit verbreitet. Der Handel mit Gebrauchtkleidung verschafft vielen Arbeit und Einkommen. Auch viele Schneiderinnen und Schneider leben vom Umarbeiten oder „redesign“ von Gebrauchttextilien.

Einerseits wächst der Überschuss an Gebrauchtkleidung in den Wohlstandsländern, weil für uns Textilien immer billiger geworden sind, und andererseits gibt es eine wachsende Nachfrage nach Gebrauchttextilien, etwa in Afrika. Hier trifft sich das explodierende Angebot von abgelegter Kleidung der Reichen auf die unstillbare Nachfrage nach Kleidung für die Armen. Außerdem wird das wachsende Umweltbewusstsein vermutlich dafür sorgen, dass immer mehr gebrauchte Kleider in den Altkleidersammlungen anstatt im Haushaltsmüll landen. Am wichtigsten ist vielleicht die Tatsache, dass die ärmeren Länder ein hohes Bevölkerungswachstum und eine ebenfalls wachsende Begeisterung für modische Kleidung haben.

Wir sollten es uns aber trotzdem nicht ersparen, unser eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. Müssen wir Kleidung, deren Produktion wertvolle Ressourcen verschlingt und die wir eigentlich noch tragen könnten, wirklich so schnell wieder entsorgen, wie wir es heute tun?

 

Quellen:
Rivoli, Pietra (2006): Reisebericht eines T-Shirts. Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft. Berlin.

Das Geschäft mit Altkleider Am Schauplatz (1/4).
[Online] https://www.youtube.com/watch?v=eGn5uepEz04 [15.06.2017]

„Mitumbas“ Ende- Ostafrika will Altkleider-Importe verbieten. (30.03.2016) [Online] https://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/186049/index.html [15.06.2017]

Gebrauchte T-Shirts und Afrika (1)

Inwiefern hat Afrika mit unserer Gebrauchtkleidung zu tun?

Die afrikanische Bekleidungsindustrie ist auf einem globalisierten Markt nicht wettbewerbsfähig. Der Handel mit der afrikanischer Kleidungsindustrie hat zwar eine lange Tradition bis zurück ins 9. Jhd., dieser ist aber infolge der Kolonialisierung reduziert worden – hin zum reinen Rohstofflieferanten.

Mit der Unabhängigkeit von den Kolonialländern in der 2. Hälfte des 20. Jhd. entstand eine mäßig erfolgreiche Bekleidungsindustrie, die aber auf einem globalisierten Markt ab ca. 1980 nicht wettbewerbsfähig war.

Als Gründe für den Niedergang werden angeführt: ungünstige weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen, fehlendes Kapital für Investitionen, schlechte Infrastruktur, politische Wirren und klimatische Faktoren (für den Anbau von Rohstoffen).

Diese Probleme sind natürlich nicht allein auf die Bekleidungsindustrie beschränkt, sondern gelten allgemein für die Industrie in Afrika – der Kontinent gilt im Vergleich als teurer Produktionsstandort.
Es wird versucht, InvestorInnen zu gewinnen. Mehr oder weniger gelungen ist dies in Mauretanien, Madagaskar, Kenia, Zimbabwe, Swasiland und Äthiopien, die für den asiatischen Markt vorfertigen. Eine zufriedenstellende Wertschöpfung ist aber nicht möglich.

https://pixabay.com/de/mode-streetart-pseudo-modell-bokeh-768161/

Der Großteil der Bevölkerung (inkl. der „Mittelschicht“) ist auf die Versorgung mit Gebrauchtkleidung angewiesen, der Handel damit dient vielen als Einkommensquelle.

Aufgrund des niedrigen Einkommens kann sich der Großteil der afrikanischen Bevölkerung keine Neukleidung nach westlichen Standard leisten und hat nur die Wahl zwischen qualitativ schlechter Billigst-Neukleidung oder Gebrauchtkleidung.

(Fortsetzung folgt im zweiten Teil).